Chronologie der Kreuz-Apotheke

Gründung 1910

Gründungsurkunde von 1910

Der Gründer der Kreuz-Apotheke, Max Meyer (08.03.1886 – 16.05.1952), stammt aus einer alten Apothekerfamilie in Leer bzw. Schernbeck am Niederrhein. Er wuchs mit vier Brüdern und zwei Schwestern auf. Das Pharmaziestudium musste Max Meyer nach dem Vorexamen abbrechen, weil die immensen Studiengebühren von seinem Vater, Apotheker Oscar Meyer, angesichts der kinderreichen Familie nicht mehr aufzubringen waren. 

So eröffnete Max Meyer als vorexaminierter Apotheker und somit als Drogist im Jahre 1910 im aufstrebenden Industriestandort Seelze im Westen Hannovers die Kreuz-Drogerie. Zu deren umfangreichen Geschäftsfeldern zählte neben einem Weingroßhandel auch ein Maschinenöl- und Schmierstoffhandel. Über letzteren wurden als Großkunden die Reichsbahndirektion Hannover mit den Ausbesserungswerken Seelze-Hannover und Lehrte, die Firma Riedel-de-Haën in Seelze sowie die Hartsteinwerke Hannover und Niedersachsen beliefert.

 

 

1924 - 1945

Architektenmodell des Gebäudes, 1924
Neubau in der Hannoverschen Straße 1 um 1926

Anfang des Jahres 1925 ließ Max Meyer auf der gegenüberliegenden Straßenseite – Ecke Hannoversche Straße/Bremer Straße (damals Kreuzweg 171) – ein neues Geschäftshaus erbauen, da aufgrund der konsequenten Expansion des Betriebes wurden die bis dahin von Albert Rindfleisch in der Hannoverschen Straße 4 (damals Kreuzweg 174) in Seelze angemieteten Räumlichkeiten zu klein wurden. In dem das Unternehmen 1927 seinen endgültigen Standort fand.

Begleitet von diesen unternehmerischen Tätigkeiten scheint Max Meyer seine Begeisterung für die Pharmazie auf seinen Sohn Carl-Oscar (16.05.1913 – 21.02.1985) übertragen zu haben. So studierte dieser nach seinem Vorexamen in Hannover Pharmazie in Königsberg. Nach Erhalt seiner Approbation 1938 war er in Ostpreußen und Pommern für die Reichsapothekerkammer tätig und machte die dortigen Kollegen mit dem Gedanken der STADA – „Standardpräparate Deutscher Apotheker“ –, einem Genossenschaftsverband deutscher Apotheker, vertraut, zu dessen Gründungsvätern sein Großvater, Oscar Meyer, zählte. Dieser für die damalige Zeit äußerst moderne Gedanke bestand darin, die Unzahl an Eigenpräparaten jeder einzelnen Apotheke sukzessive durch Standardpräparate zu ersetzen, die im gesamten deutschen Reich in jeder Apotheke in identischer und reproduzierbarer Zusammensetzung mit einheitlicher Verpackung und Beschriftung erhältlich sein sollten. Im Rahmen dieser Tätigkeit lernte Carl-Oscar auch die aus Riga stammende Baltendeutsche Gertrud Wulff (19.07.1914 – 10.09.1999), seine spätere Frau, kennen.

1945 - 1973

links: Max Meyer, 1950; rechts: Carl-Oscar, Constantin und Gertrud Meyer, 1948
Carl-Oscar Meyer im Labor, 1963

Nach dem 2. Weltkrieg, den er als Stabsapotheker überlebte, baute Carl-Oscar Meyer in Niedersachsen, respektive der Region Hannover, mehrere Apotheken als Geschäftsführer bzw. Pächter auf, ehe er schließlich im Jahre 1957 nach Einführung der Niederlassungsfreiheit für Apotheker seinen lang gehegten Traum einer eigenen Apotheke in seinem elterlichen Geschäftshaus in der Hannoverschen Straße 1 in Seelze verwirklichen konnte. Seine vor dem Krieg begonnene Tätigkeit für die STADA setzte er fort, indem die Kreuz-Apotheke als STADA-Lieferapotheke fungierte und in Lizenz für andere Apotheken als auch für den Eigenbedarf STADA-Arzneimittel herstellte. Begleitend war er jahrelang als Bezirksapotheker und Finanzvorstand der Apothekerkammer Niedersachsen tätig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1973 - 1986

Constantin Meyer während einer Granulatherstellung in der Kreuz-Apotheke, 1974
Dr. Andreas Meyer mit Schwägerin Rosemarie in Freiburg, 1984

Im September 1973 erwarb Constantin Meyer (* 19.08.1942 in Schneidemühl, Pommern), der sein Pharmaziestudium in Freiburg im Breisgau 1970 abgeschlossen hatte, den Betrieb von seinem Vater Carl-Oscar, den er zuvor im Sommer 1973 tatkräftig bei der Eröffnung der Obentraut-Apotheke in Seelze unterstützt hatte.

Diese Apotheke erbte Constantins 15 Jahre jüngerer Bruder Andreas (* 31.05.1957), der sein Pharmaziestudium in Braunschweig absolvierte und 1981 ebenfalls nach Freiburg ging, um dort am Lehrstuhl für pharmazeutische Technologie unter Leitung von Prof. Dr. Kurt-Heinz Bauer seine Promotion zu beginnen. Unmittelbar nach deren Abschluss im Jahre 1985 begann er seine berufliche Laufbahn im benachbarten Basel beim Pharmaunternehmen Sandoz, für dessen Nachfolger Novartis er noch heute tätig ist. Aufgrund seiner Entscheidung für die pharmazeutische Industrie verkaufte seine Mutter Gertrud die Obentraut-Apotheke nach dem Tode ihres Mannes Carl-Oscar an den bisherigen Pächter, Apotheker Robert Leschik, der die Apotheke mit viel Engagement nach einem gelungenen Umbau noch heute betreibt.

Constantin Meyer erhielt 1976 gemäß § 15 des im selben Jahr neu in Kraft getretenen Arzneimittelgesetzes (AMG) die Befugnis zum Herstellungs- bzw. Kontrollleiter des Betriebes. Ein Jahr später wurde der Kreuz-Apotheke gemäß § 13 AMG die Genehmigung zur Herstellung und Analytik von zugelassenen Arzneimitteln des eigenen Betriebes wie auch im Lohnauftrag anderer pharmazeutischer Unternehmer erteilt.

Quasi als Autodidakt eignete sich Constantin Meyer nach seinem Studium Anfang der 70´er Jahre (auch im Rahmen etlicher APV-Kurse) aktuelle Kenntnisse über Tablettierung und Dragierung an, um mit nahezu faustischem Streben in die Materie der festen Arzneiformen einzudringen. Wiederholt konstatierten Bekannte bei ihm in dieser Zeit das „Krankheitsbild des Maschinen-Vollrausches“. Im Rahmen der konsequenten Erweiterung der Herstellungstätigkeiten für die STADA auf feste Arzneiformen, insbesondere Tabletten und Dragées, setzte er seine erweiterten Kenntnisse umgehend in die Tat um. Begleitet wurde diese inzwischen schon Tradition gewordene Tätigkeit für die STADA 1974 durch seine Wahl in den Beirat des Unternehmens als Vertreter für den Bereich der Apothekerkammer Niedersachsen und schließlich seine Wahl zum Vorsitzenden dieses Gremiums im Jahre 1986. Weiterhin war Constantin Meyer ebenso wie sein Vater viele Jahre als Bezirksapotheker für die Apothekerkammer tätig und ist auch heute noch Vorsitzender des Prüfungsausschusses für den Ausbildungsberuf der pharmazeutisch-kaufmännische Angestellten.

1986 - 1992

Um auch hochtechnisierte, moderne Verfahren zur Herstellung fester Arzneiformen anwenden zu können, gründete Constantin Meyer im Dezember 1986 zusammen mit dem Apotheker Dr. Martin Wischniewski die Firma Medica Meyer zur Entwicklung pelletierter Arzneiformen. Im Zuge dieser Neugründung wurde von 1987 bis 1988 das Apothekengebäude in der Hannoverschen Straße 1 weitestgehend entkernt und umgebaut, um Platz für die dafür erforderlichen umfangreichen Laborräume sowie Arztpraxen zu schaffen.

Daneben erforderte die Übernahme von Tätigkeiten als Kontroll- bzw. Herstellungsleiter für weitere pharmazeutische Firmen jedoch eine stets umfangreicher werdende Analytik. So verlangte das damalige Bundesgesundheitsamt BGA (heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) im Rahmen der Erstellung von (Nach-) Zulassungen für die eigenen Präparate pflanzlichen Ursprungs – und natürlich auch für andere pharmazeutische Unternehmen im Lohnauftrag – die Untersuchung der Ausgangssubstanzen nicht nur gemäß den Monographien des Arzneibuches, sondern bereits auch gemäß der Rückstandshöchstmengenverordnung für Lebensmittel (RHmV) auf Pestizidrückstände, bevor diese durch das DAB 96 erstmals arzneimittelrechtlich obligatorisch wurde. Aufgrund dieser Anforderungen wurde seit 1985 in den Räumen der Kreuz-Apotheke eine aufwendige Analytik für Pestizid-Rückstandsbestimmungen basierend auf der Gaschromatographie aufgebaut. Um ihren Kunden höchstmögliche Transparenz über die Qualität ihrer Kräuter bzw. „Drogen“ im pharmazeutischen Sinne zu liefern, ließ die Vegetabiliengroßhandlung Alfred Galke GmbH aus Gittelde (Harz) als Auftraggeber der Kreuz-Apotheke damals bereits alle Drogen in Arzneibuchqualität auf freiwilliger Basis auch auf Pestizidrückstände untersuchen. 

Bedingt durch die umfangreiche Arbeit auf den Gebieten ”Pharmazeutische Technologie”, ”Pharmazeutische Analytik” und ”Offizin-Pharmazie” konnte Constantin Meyer, inzwischen auch zum Pharmazierat ernannt, 1988 und 1989 den Titel des Fachapothekers für alle drei oben genannten Fachrichtungen erwerben. Ebenfalls wurde die Kreuz-Apotheke bzw. die Firma Medica Meyer im Jahre 1989 vom Niedersächsischen Sozialminister zur Weiterbildungsstätte für die Gebiete ”Offizin-Pharmazie”, ”Pharmazeutische Analytik” und ”Pharmazeutische Technologie” ernannt. 1992 wurde Constantin Meyer zum Kontrollleiter der Firma Chinosol, einer Tochterfirma der Riedel-de Haën AG (heute Honeywell), berufen. Im selben Jahre veräußerte Constantin Meyer mit seinem Geschäftspartner Dr. Wischniewski die Firma Medica Meyer an die Pharbil-Bielefeld, vormals Rorer GmbH.

1992 - 2001

Neubau Labortrakt Bremer Straße, 1998
Constantin Meyer in der Offizin der Kreuz-Apotheke, 1999

Um die verschiedenen Laboratorien bzw. Herstellungsbereiche im historisch gewachsenen Geschäftsgebäude zu konzentrieren und die Arbeitsabläufe einfacher zu gestalten, erweiterte Constantin Meyer die Kreuz-Apotheke im Zeitraum vom Oktober 1997 bis zum Januar 1999 durch einen umfangreichen Laborneubau mit ca. 450 qm Fläche auf drei Etagen in der Bremer Straße. Dieses äußerst komplexe Bauvorhaben, in dem es galt, das alte Gebäude mit dem neuen Anbau adäquat zu verbinden, wurde in alt bewährter Manier mit dem Seelzer Architekten Karl-Heinz Häfemeier umgesetzt.

Um die Pestizid-Rückstandsbestimmung spezifischer und effizienter zu gestalten, wurden im Rahmen dieses Umbaus die Anlagen zur Gaschromatographie erweitert und dafür eine damals völlig neue Art der Gaserzeugung realisiert: Drei Gasgeneratoren liefern die zur Analytik erforderlichen Gase Wasserstoff, synthetische Luft und Stickstoff. Die Gesamtanlage arbeitet völlig störungs- und explosionssicher, da nur die für den augenblicklichen analytischen Prozess benötigte Gasmenge in situ erzeugt wird. Die Qualität der erzeugten Gase entspricht den höchsten analytischen Reinheitsanforderungen. Die jüngste Ausbaustufe im Analytikbereich aus dem Jahre 2004 schließlich stellt die Kopplung aus Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC-MS) dar, die letztlich eine eindeutige Verifizierung der Ergebnisse erlaubt. Daneben gilt es natürlich, das Spektrum der untersuchten Pestizide den ständig wachsenden Anforderungen des europäischen Arzneibuchs (Pharmacopoea Europaea, Ph. Eur.) anzupassen.

Seit Ende der 90´er Jahre werden Produkte pflanzlichen Ursprungs neben den Pestiziden auch auf Aflatoxine, die stärksten natürlichen Carzinogene, hin untersucht. Zu diesem Zweck ist eine moderne HPLC-Analytik aufgebaut worden, deren Kernstück eine sog. „Cobra-Zelle“ darstellt. Diese ermöglicht nach der Trennung der Aflatoxine B1, B2, G1 und G2 ihre anschließende online-Derivatisierung, wodurch die Nachweis- und Bestimmungsgrenze der fluorimetrischen Detektion signifikant gesenkt werden kann.

Neben der pharmazeutischen Herstellung und Analytik sind – ebenfalls seit Ende der 90´er Jahre – basierend auf den genannten Kontrollleiterfunktionen von Constantin Meyer für andere Pharmafirmen Consulting-Tätigkeiten für die pharmazeutische Industrie, allein voran aus Tradition natürlich die Firma STADA, zu einem weiteren Geschäftsfeld der Kreuz-Apotheke avanciert.

2001 - 2004

Dr. Thomas Meyer bei der Pestizidrückstandsbestimmung im Analytik-Bereich, 2003

Des Ausbaus und der Weiterführung dieser inzwischen vielseitigen und sehr diffizilen pharmazeutischen Tätigkeiten nimmt sich seit Herbst 2001 gemeinsam mit seinem Vater Constantin Meyers Sohn, Fachapotheker für pharmazeutische Analytik Dr. Thomas Meyer (* 03.09.1973), an, der am pharmazeutischen Institut der Universität Freiburg auf dem Gebiet der pharmazeutischen Analytik unter Leitung von Prof. Dr. August-Wilhelm Frahm promoviert hat („Methoden zur Strukturaufklärung und Quantifizierung der Komponenten des nicht-ionischen Emulgators Cremophor® EL“). Dr. Thomas Meyer ist seit Januar 2004 Leiter der Qualitätskontrolle des Unternehmens, während sein Vater die arzneimittelrechtlich relevanten Positionen des Leiters der Herstellung und der sachkundigen Person bekleidet. Ebenfalls seit Januar 2004 setzt er als stellvertretender Beiratsvorsitzender die inzwischen „familiär verwurzelte“ Tätigkeit für die STADA Arzneimittel AG fort, während sein Vater Constantin im Juni 2003 in deren Aufsichtsrat berufen worden ist.

Im Zuge der ständigen Erweiterung arbeiten mittlerweile fünf Apotheker, neun pharmazeutisch-technische Assistenten und drei pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten bzw. Auszubildende in dem Familienunternehmen, dass sich neben allen genannten Tätigkeiten im Bereich der pharmazeutischen Industrie natürlich vorrangig auch der Gesundheit der Seelzer Bürger verschrieben hat und in diesem Rahmen eng mit den lokal ansässigen Ärzten, Senioren- und Pflegeheimen zusammenarbeitet und den viel zitierten Begriff der „pharmazeutischen Betreuung“ tatsächlich lebt. So steht in der Offizin natürlich die unbedingte Ausrichtung auf den Kunden und Patienten im Mittelpunkt, die Dauer des Beratungsgesprächs wird nicht am Verdienst gemessen, und es ist kein Weg zu weit und keine Uhrzeit zu ungünstig, als dass ein Angehöriger der Familie Meyer nicht noch ein wichtiges Arzneimittel dem Patienten nach Hause bringt.

2004 - 2007

Neue Offizin mit Blick auf die „gläserne“ Rezeptur, nach dem Umbau 2007
Neue Offizin mit Blick auf den ehemaligen Drogeriebereich, nach Umbau 2007
Standgefäße in der Rezeptur, 2007

Um diese unbedingte Ausrichtung auf den Besucher der Kreuz-Apotheke von der Tradition in die Moderne zu transportieren, hat die Kreuz-Drogerie im September 2006 ihre Türen für die Öffentlichkeit geschlossen, damit aufwendige Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten im Eckhaus Hannoversche Str. 1 durchgeführt werden konnten. Ziel dieser großen Umbauarbeiten war es, die Räumlichkeiten der Drogerie vollständig in die der Apotheke zu integrieren, um eben auf diese Weise eine großzügige und helle Atmosphäre für die Beratungsgespräche und die Einkäufe der Kunden zu schaffen. Zu diesem Zweck musste der Keller entkernt und dort ein Kommissionierautomat der Marke rowa installiert werden, der mit bis zu 10.000 Medikamenten den Großteil des Warenlagers beinhaltet und ein spezifisches Medikament auf Knopfdruck eines Mitarbeiters zu dem entsprechenden Kassenarbeitsplatz ins Erdgeschoß befördert. Nur so konnten die Räumlichkeiten der ehemaligen Drogerie und Apotheke in ihrer Gänze für den Kundenverkehr zugängig gemacht werden, ohne Abstriche am sehr großen Warenlager der Apotheke machen zu müssen.

Gerade das Sortiment dermatologisch sorgfältig getesteter Kosmetika wie etwa der Marken Vichy und La-Roche-Posay bzw. von Naturkosmetika der Marke Logona wurde im Zuge des Umbaus signifikant erweitert. Um auch für die Kosmetika eine adäquate Beratung zu gewährleisten, werden die Mitarbeiter der Apotheke kontinuierlich geschult. Als besonderen Service können die Kunden Termine mit der staatlich geprüften Kosmetikerin Joanna Kokoschka vereinbaren, die neben dem Schwerpunkt Hautreinigung auch dekorative Kosmetik und Enthaarung anbietet.

Bei der vollständig neuen Inneneinrichtung, die die Apotheke im Rahmen des Umbaus erhielt, wurde von Vater und Sohn Meyer das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, eine Verknüpfung zwischen dem vorherigen, traditionsreichen Stil der Apotheke und schlichten, klaren Linien zu erreichen, um die Idee einer großzügigen und individuellen Einkaufs- und Beratungsatmosphäre unter Beibehaltung „echter“, apothekenspezifischer Elemente zu verwirklichen. 

Daher wurde das klassische Material Nussbaum, das bereits Carl-Oscar Meyer 1957 für die alte Apothekeneinrichtung gewählt hatte, in moderner Interpretation erneut eingesetzt, so dass auch Teile der alten, klassischen Schränke mit ihrer aufwendigen Bleiverglasung nach vollständiger Restaurierung integriert werden konnten.

Weiterhin wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass die in der Drogerie schon Tradition gewordenen Neuformprodukte, das umfangreiche Teesortiment und auch Artikel zur Weinherstellung unverändert im Sortiment geblieben sind. Darüber hinaus wurde die Rezeptur der Apotheke, in der Individual-Rezepturen und Defekturen (Rezepturen im Hunderter-Maßstab) gefertigt werden, deutlich vergrößert und so gestaltet, dass für die Kunden wie in einer gläsernen Manufaktur sowohl aus den Apothekenräumlichkeiten als auch von der Straße eine vollständige Transparenz in die Herstellungsprozesse gegeben ist und gleichzeitig natürlich die modernen Anforderungen der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO), nämlich der vollständigen Abgrenzung der Rezeptur vom Kundenbereich, vollumfänglich erfüllt werden. Die Umsetzung all dieser baulichen und gestalterischen Herausforderungen konnte durch enge Abstimmung der Bauherren wiederum mit dem „Hausarchitekten“ Karl-Heinz Häfemeier und dem Innenarchitekten Uwe Reichmann verwirklicht werden.

2007 - 2010

Restaurierte Schränke in neuer Offizin
Herstellung von Phytoderma im neuen Herstellungsbereich im 2. OG, 2009
Tauwetter Neu und Phytoderma Pflegecreme im neuen Packungsdesign, 2009

Während der Umbauphase – zum 01. Januar 2007 – übernahm Dr. Thomas Meyer von seiner Kollegin Ingeborg Herbst-Albes deren traditionsreiche Adler-Apotheke in Seelze, die am 01. April 1893 durch deren Urgroßvater gegründet worden war, um hier eine sinnvolle Synergie in der Arzneimittelversorgung der Seelzer Bevölkerung gemeinsam mit der Kreuz-Apotheke zu schaffen.

Unmittelbar nach der Fertigstellung des Umbaus der Kreuz-Apotheke im März 2007 musste anstelle einer wohl verdienten Verschnaufpause die ungeteilte Aufmerksamkeit von Constantin und Dr. Thomas Meyer dem Herstellungs- und Analytikbereich des Unternehmens gewidmet werden, galt es doch, diesen baulich und insbesondere im Bereich der Dokumentation konsequent den aktuellen, für die pharmazeutische Industrie gültigen Anforderungen des EG-GMP-Leitfadens (GMP = „good manufacturing practises“) und der Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) anzupassen. In diesem Rahmen wurde von 2007 bis 2008 der Herstellungsbereich für halbfeste und flüssige Arzneiformen auf die 2. Etage des Neubaus von 1998 konzentriert und mit einer qualifizierten aktiven Be- und Entlüftungsanlage ausgestattet, die Raumluftbedingungen der Reinheitsklasse D gemäß der ergänzenden Leitlinie 1 zum EG-GMP-Leitfaden ermöglicht. 

Nahezu parallel dazu widmete sich Dr. Thomas Meyer den (Nach-) Zulassungen der eigenen, von seinem Vater Constantin Meyer entwickelten und deutschlandweit vertriebenen Fertigarzneimittel des Unternehmens, der Brand- und Wundsalbe Phytoderma, der Erkältungssalbe Tauwetter und dem Kamillenextrakt Chinomille Medica Mill, um deren Zukunftsfähigkeit arzneimittelzulassungsrechtlich zu sichern. Nicht zuletzt durch die hervorragende Unterstützung der Mitarbeiter aus der Analytikabteilung, insbesondere Apothekerin Verena Dreyer, konnte dieses Vorhaben im Herbst 2009 schließlich mit Markteinführung der Nachfolgeprodukte, des Kosmetikums Phytoderma Pflegecreme und des Arzneimittels Tauwetter Neu, erfolgreich abgeschlossen werden.

 

 

 

 

 

2010 bis heute

Das Apotheken-Gebäude nach allen bisherigen Baumaßnahmen, 2010

Im Jahr 2010 feiert das von Max Meyer gegründete pharmazeutische Familienunternehmen sein einhundertjähriges Bestehen. Wo noch heute das Logo des Unternehmens, das „doppelte M“, an den Firmengründer in Seelze erinnert.

Im selben Jahr(Juli 2010) wurde nunmehr das bereits im August 2006 von Wolfgang Rindfleisch übernommene, ehemalige Stammhaus von Max Meyers Kreuz-Drogerie in der Hannoverschen Straße 4 gegenüber der Kreuz-Apotheke nach den Vorstellungen von Constantin und Dr. Thomas Meyer nahezu vollständig entkernt und unter Anbau eines Fahrstuhlgebäudes aufwändig saniert, um die räumlichen Voraussetzungen für eine haus¬ärztliche Gemeinschaftspraxis zu schaffen und über diese wiederum die medizinische Versorgung des Seelzer Zentrums nachhaltig zu sichern.

So schließt sich vorerst der Kreis dieser für den Berufsstand der Apotheker schaffenden Familie mit sieben Generationen anhaltender Tradition. Aber vielleicht wird dieser in Zukunft durch eines der Kinder von Dr. Thomas Meyer und seiner Frau Nicole (geb. Hannemann, 23.03.1977 in Hannover), Emilia Elena (* 28.03.2007) und Henry Constantin (*11.01.2010), fortgesetzt...

 

Politisches und Soziales Engagement

Constantin und Rosemarie Meyer (links), Nicole und Dr. Thomas Meyer (rechts) auf dem Sommerbiwak der Bundeswehr in Hannover, 2005

Neben all diesen beruflichen Aufgaben steht das Engagement der Familie Meyer für ihren Heimatort Seelze seit jeher im Mittelpunkt ihres Wirkens. So zählt Max Meyer zu den Gründungsvätern der Schützengesellschaft im Jahre 1913, die in den darauf folgenden Jahren das gesellschaftliche Leben in Seelze wesentlich mitprägte. Ungleich bedeutender war zweifellos seine Handlung als stellvertretender Bürgermeister in den letzten Kriegstagen 1945, nachdem der Ortsgruppenführer Seelzes verschwunden war: Eine versprengte SS-Einheit war im Begriffe, die Mittellandkanalbrücke in der Leinemasch, die den Kanal über die Leine führt, zu sprengen. Die Konsequenz wäre unweigerlich eine Katastrophe für Seelze, Lohnde und Gümmer wie auch Garbsen gewesen. Mit den Worten „Kinder, der Krieg ist doch vorbei, nun geht schon nach Hause und trinkt meine letzten Flaschen Weinbrand, die ich Euch mitgebracht habe.“ konnte er die Soldaten von ihrem Vorhaben abbringen.

Max Sohn Carl-Oscar konnte als Aufsichtsratsvorsitzender über einen Zeitraum von 25 Jahren die Geschicke der Calenberger Volksbank, nach Fusionen der späteren Lindener und heutigen Hannoverschen Volksbank, entscheidend mitprägen. Zu deren Gründungsvätern nach dem 1. Weltkrieg als ursprüngliche Spar- und Darlehenskasse zählt übrigens wiederum Max Meyer.

Constantin Meyers Frau Rosemarie (geb. Haedrich, 02.11.1936 in Breslau, Schlesien) hat für die HGS, die Gemeinschaft für Handel und Gewerbe in Seelze, im Laufe der Jahre zahlreiche Veranstaltungen organisiert und fest etabliert, allen voran den Seelzer Weihnachtsmarkt und den Neujahrsempfang der HGS. Constantin Meyer wiederum gehörte unter anderem zu den Gründern des Fördervereins Seelze Konzertorgel, der neben dem Neubau der Konzertorgel in der katholischen Kirche auch für anspruchsvolle musikalische Angebote gesorgt hat und sorgt.

Dr. Thomas Meyer schließlich bekleidet seit November 2002 das Amt des Vorstandsvorsitzenden der HGS. Unter seinem Vorsitz und mit seinen Vorstandskollegen wurde die Arbeit seines Vorgängers Andreas Friedmann konsequent weiterentwickelt, und die HGS konnte einen deutlichen Aufschwung vermerken: Die Anzahl der Mitgliedsbetriebe stieg schnell auf mittlerweile über 120 an, im gesamten Außenauftritt wurde der Gedanke eines „Corporate Designs“ umgesetzt, und die zahlreichen Aktivitäten der Gemeinschaft wurden gebündelt und sprechen mit der Frühjahrsmesse, der Seelzer Wirtschaftsshow oder dem Obentrautmarkt (vormals „Goldener Sonntag mit Kartoffelmarkt“) alljährlich mehrere tausend Besucher an. Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, insbesondere in Person des Bürgermeisters Detlef Schallhorn als auch der Wirtschaftsförderin, Andrea Kämmerer, zur Weiterentwicklung des Standortes Seelze signifikant intensiviert.